MISSISFOX


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Heiden Tag der Frau

Kritiken

Donnerstag, 10. März 2005

Welch Wonne, ein Weib zu sein!

Heiden. Weibermenü am Frauentag? Acht Weiber aus Zürich, die mit ihrer Frauenband «missis fox» aus der «Linde» einen Hexenkessel machen? Weiber und Hexen im Appenzellerland? Tja, liebe Männer, da habt ihr etwas verpasst! Gebildete Menschen wissen übrigens längst, dass der Begriff Weib «der Name für alle Wesen ist, die nicht dem männlichen Geschlecht angehören und doch als Geschlechtswesen bezeichnet wer-den» - so stehts im Duden. Wars früher eine niedere Bezeichnung für Frau, steht der Begriff heute für Rasseweib, Superweib, Klasseweib oder Vollweib. Dies bezieht sich meist auf die erotische Ausstrahlung, das Körperliche, die Lebenskraft, den Humor und die Einstellung. Und genau das zeichnet diesen Abend aus, Rasse, Klasse, Humor und Power! Welch Wonne also, an diesem 8.ärz, ein Weib zu sein! Ob beim Kochen und dem Genuss eines absoluten Spitzenmenüs, beim aufmerksamen Zuhören von zweiminütigen Kurzpräsentationen mutiger Frauen, beim Tanzen zu den fetzigen Klängen der Zürcher Frauenpowerband, beim Schwatzen, Lachen, Träumen - kurz, beim Frausein schlechthin. Dass er ausgerechnet im Appenzellerland stattfindet ist den vier Weibern Susanna Sulzer, Gisa Frank, Barbara Dietz und Christine Geiger zu verdanken, dass er zu einem absoluten Powerabend wird, all den vielen Wesen nicht männlichen Geschlechts, die trotz des Schneegestöbers den Weg in die Linde gefunden haben.
Zu acht stehen sie auf der Bühne, singen brav A-capella oder lassen im zweiten Teil ihre Instrumente schmettern: die «missis fox» aus Zürich. «In Zürich war am heutigen Tag nichts los, also reisten wir ins Appenzellerland», erzählen sie schmunzelnd und lassen die Wände des altehrwürdigen Lindensaals erzittern. Zuerst aber kommts nett und freundlich von den acht Frauen, die verschiedener nicht sein könnten. Sie brauchen keine roten Rosen, keinen roten Mohn, denn ihnen genügt der Kaktus draussen am Balkon - der sticht! Und wer wüsste es nicht: Auch die schönste Rose sticht, wenn man sie nicht sorgfältig hält, der blühendste Mohn lässt den Kopf hängen, wenn er zu wenig Pflege erfährt. Nur der Kaktus braucht praktisch kein Wasser, aber er sticht immer, selbst wenn er blüht! Und wenn aus den Lautsprechern das Lied «sag mir quando, quando, quando» erklingt, grosse, kleine, schlanke, wohlgeformte, junge, erfahrene Frauen dazu lustvoll ihre Hüften schwingen, dann, ja dann, fragt sich das Weib eben doch: Sag mir, wann wir denn endlich die Gleichberechtigung auf allen Ebenen erreicht haben. Aber solch politische Gedanken treten ob der tollen Stimmung schnell wieder in den Hintergrund - eine Dame würde den Abend als äusserst gelungen bezeichnen, ein Weib aber sagt: was für ein supermegacooler Frauenpower-Abend!


Irene De Cristofaro-Wipf
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